Montag, 13. März 2017

Die Sache mit dem „Du“

Ab und zu muss ich Menschen ansprechen und weiß nicht so recht wie. Darf ich die Person duzen oder ist hier eher ein „Sie“ angebracht. Glücklicherweise passiert das nicht allzu häufig. Oftmals gelingt es mir auch, eine direkte Anrede zu umgehen.

Dann gibt es allerdings noch die Situationen, in denen ich angesprochen werde. Und so sehr ich mir oft wünsche, niemand würde sich um Anreden scheren, merke ich dann, wie viel Aufmerksamkeit ich selbst darauf richte.

Gestern wurde ich auf der Straße nach dem Weg zu einem Hochschulgebäude gefragt. Dem Anliegen und der optischen Erscheinung nach zu urteilen, schätze ich den Fragesteller als Abiturienten ein. Also ungefähr so alt wie ich. Nagut, etwa 10 Jahre jünger. Trotzdem. Warum um alles in der Welt siezt er mich? Es durchzuckt mich innerlich und ich frage mich, ob ich wirklich so alt aussehe. Denke darüber nach, ob es an meiner Kleidung liegt. Sneaker, Baggy Jeans, Outdoorjacke, Rucksack: daran kann es nicht liegen. Oder ist es doch, weil ich vor ein paar Tagen mein erstes graues Haar entdeckt habe. Quatsch, denke ich mir nach der Begegnung, der Typ war einfach nur total höflich.

Am Abend denke ich wieder über die Situation nach. Ich analysiere, ob ich falsche Signale sende. Strahle ich vielleicht aus, dass ich gesiezt werden möchte? Muss ich mich in meinem Alter einfach mit der förmlichen Anrede abfinden? Als ich mich selbst beim Grübeln ertappe ist es mir peinlich. Ist doch total egal ob „Du“ oder „Sie“ oder was Fremde von mir halten.

Heute beim Bäcker wurde ich geduzt. Und ich fand es absolut nicht angemessen. Alle Leute vor mir in der Schlange wurden geduzt. Doch direkt bevor sich die Bäckereifachverkäuferin mir zuwenden kann raunzt sie auf sehr unhöfliche Weise einen älteren Herren an, der sich ungefragt an Zucker und Kondensmilch bedient, die auf der Theke stehen. Als sie sich von ihm wegdreht fragt sie mich: „Was möchtest du denn haben?“ Wieder zucke ich innerlich. Wie respektlos, denke ich. Dieses „Du“ war gewiss für den Mann gedacht war. Aber bei ihm hat sie sich das nicht getraut. Aufgrund seines Alters. An mir lässt sie es aus. Mit den jungen Leuten kann man es ja machen. Ja, das kann sie, denn natürlich beschwere ich mich nicht, sondern gebe einfach höflich meine Bestellung auf.

Es wäre auch völlig absurd sich darüber aufzuregen. Oder auch nur länger darüber nachzudenken. Es ist eben nicht immer so einfach mit dem „Sie“ und dem „Du“.

Mittwoch, 18. Januar 2017

Aufmerksamkeit



*Wegen technischer Probleme heute mal anders*

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Kuchenbasare

Vor kurzem war mal wieder Elternabend in der Grundschule. Die Elternsprecher verkündeten ihre Idee, um die Klassenkasse aufzubessern: Statt wie bisher 3 mal pro Schuljahr, solle die Klasse doch häufiger Kuchenbasare veranstalten, Alle waren begeistert. Ich nicht.[1]

Ich mag diese Kuchenbasare nicht. Da werden zig Kilo an Backwaren angepriesen, von denen nie jemand weiß, was das alles überhaupt ist. Der Slogan an die Kinder lautet: Esst bitte noch ein Stück, das ist gut für die Gemeinschaft.

Diesen Kuchen gab es selbstverständlich nicht zum
Kuchenbasar. Die Apfelkompottfüllung geht nicht
als durchgebacken durch.
Wobei wirklich hilfreich nur sein kann, wessen Eltern einen aufwendig dekorierten Kuchen mitgebracht haben. Betonung liegt hierbei auf mitgebracht. Backen kann ja jeder *hust*. Aber sich um 8:30 Uhr in das Getümmel aus unterzuckerten Grundschülern zu werfen und den Kuchen zu verkaufen, ist eine ganz andere Sache und das eigentliche Heldentum.

Das kann mir nicht passieren. [2]

Als es diesmal wieder so weit war habe ich brav einen Kuchen gebacken. Auf Wunsch meines Kindes. Dafür stand ich dann mitten in der Nacht allein in der Küche. Mein Freund hatte keine Zeit. Ich zwar auch nicht, aber er ist einfach viel besser im Nein-Sagen als ich.

Am nächsten Morgen konnte das Kind jedenfalls voller Freude mit Kuchen und etwas Kleingeld in die Schule spazieren.

Womit ich an meinem Hauptkritikpunkt am Konzept Kuchenbasar angekommen bin: Geld. Das wird immer als Motivation für den ganzen Aufwand genannt. Liebe Eltern, helft bitte mit. Es ist für die Klassenkasse. Aus unserer Klassenkasse wurde noch nie irgendetwas bezahlt. Egal ob Wandertag, Theaterbesuch oder Weihnachtsfeier, es wird immer extra Geld eingesammelt. Ich bin gespannt. Vielleicht bekommen alle Kinder am Ende der Grundschule ihren Anteil wieder ausgezahlt. Als Startgeld für die weiterführende Schule. Ein Sparbuch ohne Zinsen.

Nehmen wir mal an diese Klassenkasse wäre total nützlich: Warum darf ich da nicht einfach Geld einwerfen, statt diesen Umweg zu gehen? Selbstverständlich habe ich das bei besagtem Elternabend in die Runde geworfen und bekam neben ziemlich bösen Blicken auch eine Antwort. Der Grund für all das sind natürlich die Kinder. Die lernen durch solch eine Aktion nämlich, sich Geld selber zu erarbeiten.

Klingt logisch, oder? Oder?

Für mich nicht. Ich weiß nicht welchen Anteil ein Kind an einem Kuchenbasar haben soll, bei dem die Eltern sowohl die Organisation, als auch das Backen, den Verkauf und das Aufräumen hinterher übernehmen. Die einzige Rolle, die sie dort einnehmen ist die des Konsumenten. Was daran pädagogisch wertvoll sein soll erschließt sich mir nicht.

Dafür gibt es meines Erachtens bessere Wege. Zum Beispiel sammeln alle Kinder der Schule jedes Jahr im September Altpapier. Von dem so erwirtschafteten Geld wird die Busfahrt für die Klassenfahrt der Viertklässler bezahlt. Ist dann noch Geld übrig (ist es immer), bekommen alle Kinder, die an der Sammlung teilgenommen haben, einen Zuschuss für den nächsten Theaterbesuch der Schule.

Hier wird die Teilnahme der Kinder gefordert. Hier lernen sie etwas wertvolles und vor allem sammeln sie hierbei Geld für einen bestimmten Zweck und nicht nur, um Geld des Geldes wegen angehäuft zu haben.

Übrigens wurden wir Eltern am Tag nach dem letzten Kuchenbasar aufgefordert, für die Weihnachtsfeier in der darauf folgenden Woche erneut zu backen. Diesmal fiel mir das Nein-Sagen sogar leichter als meinem Freund.




[1] Alle ist wörtlich zu nehmen. Ich war die einzige, die nicht mit Ja stimmte.

[2] Ich meide größere Ansammlungen von Kindern wann immer es möglich ist. Ich kann damit einfach nicht umgehen. Mein Problem.

Mittwoch, 2. November 2016

Durcheinander

Meine Gedanken überschlagen sich. In den letzten Wochen habe ich keine Ruhe gefunden. Ich wurde mit Menschen konfrontiert, an deren Existenz ich nie wirklich glaubte. Sie haben mich in Situationen, in Gespräche gedrängt, die mich völlig überforderten. Die mich immer noch überfordern, weil ich immer noch nicht weiß, wie ich damit umgehen soll.

Das alles während auch mein Körper ungewohnt hart gefordert war. So sehr, dass es mich an jedem Abend Mühe kostete lange genug wach zu bleiben, um meine Kinder ins Bett zu bringen.

An diesen Tagen hätte ich unzählig viele Texte produzieren können. Zumindest wenn man von all den Eindrücken ausgeht, die auf mich niederprasselten. Allerdings gelang es mir kaum einen Gedanken in Worte zu fassen bevor schon die nächste Person und das nächste Ereignis meine Aufmerksamkeit verlangte. Mal abgesehen von der fehlenden Zeit, etwas aufzuschreiben.


Aber nun komme ich langsam zur Ruhe. Jetzt kann ich anfangen zu verarbeiten. Nachdem ich zwei Tage lang genau genommen überhaupt gar nichts gemacht habe, zieht es mich nun zu mir wohltuenden Beschäftigungen hin. Ich habe seit langem mal wieder vor mich hin gekritzelt, habe mein nächstes Strickprojekt näher ins Auge gefasst und häufiger mit meinen Kindern gebacken und gesungen. Ich war sogar entspannt genug, um mich stundenlang mit einem Buch in den Park zu setzen.

Und mit dieser Ruhe werde ich hoffentlich auch meine Gedanken sortieren und niederschreiben können.

Mittwoch, 22. Juni 2016

Sex

In meiner Welt haben Menschen Sex miteinander, wenn alle Beteiligten einander ihr Interesse daran zeigen und das dann einvernehmlich ausüben.

Mir ist völlig egal, wie oder mit wem andere Leute Sex haben. Solange nur Menschen beteiligt sind, die die geistige Reife besitzen, um eigene Entscheidungen bezüglich ihrer Sexualität zu treffen, sollen die doch miteinander tun, was sie wollen.

Erst wenn die strikte Regel des gegenseitigen Einverständnisses missachtet wird, mischt sich die Gesellschaft ein und zwar in Form eines Rechtsstaates.