Mittwoch, 18. Januar 2017

Aufmerksamkeit



*Wegen technischer Probleme heute mal anders*

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Kuchenbasare

Vor kurzem war mal wieder Elternabend in der Grundschule. Die Elternsprecher verkündeten ihre Idee, um die Klassenkasse aufzubessern: Statt wie bisher 3 mal pro Schuljahr, solle die Klasse doch häufiger Kuchenbasare veranstalten, Alle waren begeistert. Ich nicht.[1]

Ich mag diese Kuchenbasare nicht. Da werden zig Kilo an Backwaren angepriesen, von denen nie jemand weiß, was das alles überhaupt ist. Der Slogan an die Kinder lautet: Esst bitte noch ein Stück, das ist gut für die Gemeinschaft.

Diesen Kuchen gab es selbstverständlich nicht zum
Kuchenbasar. Die Apfelkompottfüllung geht nicht
als durchgebacken durch.
Wobei wirklich hilfreich nur sein kann, wessen Eltern einen aufwendig dekorierten Kuchen mitgebracht haben. Betonung liegt hierbei auf mitgebracht. Backen kann ja jeder *hust*. Aber sich um 8:30 Uhr in das Getümmel aus unterzuckerten Grundschülern zu werfen und den Kuchen zu verkaufen, ist eine ganz andere Sache und das eigentliche Heldentum.

Das kann mir nicht passieren. [2]

Als es diesmal wieder so weit war habe ich brav einen Kuchen gebacken. Auf Wunsch meines Kindes. Dafür stand ich dann mitten in der Nacht allein in der Küche. Mein Freund hatte keine Zeit. Ich zwar auch nicht, aber er ist einfach viel besser im Nein-Sagen als ich.

Am nächsten Morgen konnte das Kind jedenfalls voller Freude mit Kuchen und etwas Kleingeld in die Schule spazieren.

Womit ich an meinem Hauptkritikpunkt am Konzept Kuchenbasar angekommen bin: Geld. Das wird immer als Motivation für den ganzen Aufwand genannt. Liebe Eltern, helft bitte mit. Es ist für die Klassenkasse. Aus unserer Klassenkasse wurde noch nie irgendetwas bezahlt. Egal ob Wandertag, Theaterbesuch oder Weihnachtsfeier, es wird immer extra Geld eingesammelt. Ich bin gespannt. Vielleicht bekommen alle Kinder am Ende der Grundschule ihren Anteil wieder ausgezahlt. Als Startgeld für die weiterführende Schule. Ein Sparbuch ohne Zinsen.

Nehmen wir mal an diese Klassenkasse wäre total nützlich: Warum darf ich da nicht einfach Geld einwerfen, statt diesen Umweg zu gehen? Selbstverständlich habe ich das bei besagtem Elternabend in die Runde geworfen und bekam neben ziemlich bösen Blicken auch eine Antwort. Der Grund für all das sind natürlich die Kinder. Die lernen durch solch eine Aktion nämlich, sich Geld selber zu erarbeiten.

Klingt logisch, oder? Oder?

Für mich nicht. Ich weiß nicht welchen Anteil ein Kind an einem Kuchenbasar haben soll, bei dem die Eltern sowohl die Organisation, als auch das Backen, den Verkauf und das Aufräumen hinterher übernehmen. Die einzige Rolle, die sie dort einnehmen ist die des Konsumenten. Was daran pädagogisch wertvoll sein soll erschließt sich mir nicht.

Dafür gibt es meines Erachtens bessere Wege. Zum Beispiel sammeln alle Kinder der Schule jedes Jahr im September Altpapier. Von dem so erwirtschafteten Geld wird die Busfahrt für die Klassenfahrt der Viertklässler bezahlt. Ist dann noch Geld übrig (ist es immer), bekommen alle Kinder, die an der Sammlung teilgenommen haben, einen Zuschuss für den nächsten Theaterbesuch der Schule.

Hier wird die Teilnahme der Kinder gefordert. Hier lernen sie etwas wertvolles und vor allem sammeln sie hierbei Geld für einen bestimmten Zweck und nicht nur, um Geld des Geldes wegen angehäuft zu haben.

Übrigens wurden wir Eltern am Tag nach dem letzten Kuchenbasar aufgefordert, für die Weihnachtsfeier in der darauf folgenden Woche erneut zu backen. Diesmal fiel mir das Nein-Sagen sogar leichter als meinem Freund.




[1] Alle ist wörtlich zu nehmen. Ich war die einzige, die nicht mit Ja stimmte.

[2] Ich meide größere Ansammlungen von Kindern wann immer es möglich ist. Ich kann damit einfach nicht umgehen. Mein Problem.

Mittwoch, 2. November 2016

Durcheinander

Meine Gedanken überschlagen sich. In den letzten Wochen habe ich keine Ruhe gefunden. Ich wurde mit Menschen konfrontiert, an deren Existenz ich nie wirklich glaubte. Sie haben mich in Situationen, in Gespräche gedrängt, die mich völlig überforderten. Die mich immer noch überfordern, weil ich immer noch nicht weiß, wie ich damit umgehen soll.

Das alles während auch mein Körper ungewohnt hart gefordert war. So sehr, dass es mich an jedem Abend Mühe kostete lange genug wach zu bleiben, um meine Kinder ins Bett zu bringen.

An diesen Tagen hätte ich unzählig viele Texte produzieren können. Zumindest wenn man von all den Eindrücken ausgeht, die auf mich niederprasselten. Allerdings gelang es mir kaum einen Gedanken in Worte zu fassen bevor schon die nächste Person und das nächste Ereignis meine Aufmerksamkeit verlangte. Mal abgesehen von der fehlenden Zeit, etwas aufzuschreiben.


Aber nun komme ich langsam zur Ruhe. Jetzt kann ich anfangen zu verarbeiten. Nachdem ich zwei Tage lang genau genommen überhaupt gar nichts gemacht habe, zieht es mich nun zu mir wohltuenden Beschäftigungen hin. Ich habe seit langem mal wieder vor mich hin gekritzelt, habe mein nächstes Strickprojekt näher ins Auge gefasst und häufiger mit meinen Kindern gebacken und gesungen. Ich war sogar entspannt genug, um mich stundenlang mit einem Buch in den Park zu setzen.

Und mit dieser Ruhe werde ich hoffentlich auch meine Gedanken sortieren und niederschreiben können.

Mittwoch, 22. Juni 2016

Sex

In meiner Welt haben Menschen Sex miteinander, wenn alle Beteiligten einander ihr Interesse daran zeigen und das dann einvernehmlich ausüben.

Mir ist völlig egal, wie oder mit wem andere Leute Sex haben. Solange nur Menschen beteiligt sind, die die geistige Reife besitzen, um eigene Entscheidungen bezüglich ihrer Sexualität zu treffen, sollen die doch miteinander tun, was sie wollen.

Erst wenn die strikte Regel des gegenseitigen Einverständnisses missachtet wird, mischt sich die Gesellschaft ein und zwar in Form eines Rechtsstaates.

Donnerstag, 16. Juni 2016

Erinnerungen

Erinnerungen sind kompliziert. Auf der einen Seite gibt es sehr viele Dinge, die ich vergessen habe. Namen von Menschen, die ich kennen gelernt habe, die Hausnummer der allerersten Wohnung, in der ich je gelebt habe, wann genau unser erstes Kind sitzen gelernt hat. Andererseits gibt es Dinge, die sich sehr fest in meinem Gedächtnis verankert haben.

Einige Augenblicke werde ich wohl nie vergessen

Ich weiß noch sehr genau, wie ich am 05.08.1995 meine Zuckertüte ausgeräumt habe. Ich trug eine blau-weiß-gestreifte kurze Hose mit einem dazugehörigen bauchfreien Oberteil. In meinem Haar hatte ich ein breites rosafarbenes Band, dass seitlich zu einer Schleife gebunden war. Es passte perfekt zum Hosenanzug, den ich zur Schuleinführungszeremonie an hatte.

Gemeinsam mit meiner Schwester breitete ich zu Hause die Picknickdecke aus, die sie mir gerade geschenkt hatte. Dann setze ich mich mit meiner Zuckertüte darauf und bestaunte nach und nach jeden einzelnen Gegenstand, den ich ihr entnahm. Meine Familie stand um die Decke herum. Sie freuten sich über meine Freude und machten ein paar Fotos.



Die Picknickdecke habe ich immer noch. Und jedes mal wenn ich sie sehe, denke ich wieder an diesen sehr glücklichen Moment.

Immer wenn ich Flieder rieche, muss ich an die Sträucher hinter dem Haus denken, in dem ich als Kind wohnte. Ich schlug mich gerne durch die dahinwuchernden Büsche bis zur großen Wiese, kletterte an den Bäumen herum und pflückte Blumen für meine Mutter. Am meisten freute sie sich über Flieder. Den Geruch erkenne ich sofort wieder. Der ist auch meine einzige Möglichkeit, um Flieder zu finden. Ich kann mir einfach nicht merken, wie diese Pflanze aussieht.

Neckar GemeinerFlieder.JPG
AlterVista,CC BY-SA 3.0 de
Ich kann mich ziemlich detailliert an einen Tag vor 9 Jahren erinnern, an dem ich mit meiner besten Freundin Schuhe kaufen war. Ich weiß genau worüber wir gesprochen, wo wir Pausen gemacht und wie wir uns verabschiedet haben. Dieser Tag hatte nichts außergewöhnliches an sich.

Ganz anders als der Augenblick, direkt nach der Geburt meines ersten Kindes. Der Moment in dem dieses winzige Wesen in meinem Arm lag und seine Augen öffnete.

Erinnerungen können trügerisch sein

Neben all diesen Dingen, die ich entweder ganz klar wieder wach rufen kann oder die ich ebenso eindeutig vergessen habe, gibt es aber verschwommene Erinnerungen. Ich denke die machen den wesentlichen Teil meines Gedächtnisses aus.

Das sind dann zum Beispiel mehrere tatsächliche Ereignisse, die in meinem Kopf zu einem verschmolzen sind. So geht es mir mit dem Rest meiner Einschulung. Die lag so eng mit meinem Geburtstag zusammen, dass ich die beiden Feiern heute einfach nicht mehr auseinander halten kann. In meiner Erinnerung ist alles eins.

So einfach kann ich mir das leider nicht immer erklären. Nach einem Streit (und weil es sich einfach nicht ergeben hat) hatte ich lange keinen Kontakt zu einem einst guten Freund. Einige Jahre später fanden wir wieder zusammen. Aber keiner von uns konnte mehr genau sagen, warum wir eigentlich gestritten hatten oder wie das ganze abgelaufen war.

Jeder von uns hatte noch blasse Erinnerungen, die wir austauschten, um so der Sache auf den Grund zu gehen. Das half allerdings nicht wirklich weiter. Im Gegenteil: Wenn ich jetzt an den Streit zurück denke, bin ich nicht nur mit meinem stückeligen Gedächtnis konfrontiert, sondern auch mit den Fetzen aus seiner Erinnerung. Und ich kann die Quellen nicht mehr zuordnen. Oder kurz gesagt, wir haben noch mehr Chaos in unseren Köpfen geschaffen.

Nicht jeder verlorenen Erinnerung nachtrauern

Letztendlich haben wir uns damit abgefunden, wohl nicht mehr rausfinden zu können, warum wir auf Abstand von einander gingen. In diesem Fall ist das aber vielleicht auch gar nicht so schlecht.

Es scheint als würden meine Erinnerungen immer unschärfer, je angestrengter ich versuche sie herbei zu rufen. Die Neurowissenschaft hat eine gute Erklärung dafür. Demnach verändert sich unser Gedächtnis jedesmal, wenn wir uns an etwas erinnern.

Dann lohnt es sich also vielleicht gar nicht, jeder Erinnerung nach zu laufen. Es ist ja auch nicht so, als gäbe es nur gute davon. Manche Ereignisse möchte ich mir überhaupt nicht wieder vor Augen führen.

Also nutze ich die Zeit wohl lieber, um neue Erinnerungen zu schaffen. Wer weiß, als was sie in zehn Jahren in meinem Kopf abgespeichert sein werden. Und meine Schlüssel habe ich bisher sowieso eher durch Suchen als durch mein Gedächtnis wieder gefunden.